Evolution live: Der digitale Graben in der Buchbranche

Berlin, Juni 2012. Die Buchbranche begeht die AKEP-Jahrestagung und die Buchtage. Und obwohl dahinter EIN Verband und EINE Branche stehen, tut sich ein digitaler Graben auf und einige der Mitstreiter auf beiden Seiten sind entsetzt. Sind sie das zurecht?

Die AKEP-Jahrestagung #akep12

Es geht um Piraterie, um E-Books, um Technik, um das Sein am digitalen Puls der Zeit. Und der AKEP lädt sich mit Sascha Lobo und Gunter Dueck zwei kritische Keynoter ein, die uns – vermeintlich ohnehin schon fortschrittlichen Branchenstreitern – pointiert und intelligent aufzeigen, dass wir eigentlich ganz schön hinten dran sind. Und das erzeugt bei uns Innovativen natürlich weiteren Innovationsdruck.

Den Umgang mit dem Thema Piraterie fand ich auf AKEP-Seite übrigens ziemlich souverän. Es wurden NICHT irgendwelche Leute kriminalisiert, die mal ein illegales PDF ziehen, weil es das E-Book legal nicht gibt. Es wurde NICHT wild drauf los gejammert, wie böse denn die Welt sei und der Untergang des Abendlandes wurde ebenfalls NICHT heraufbeschworen. Nach Meister Lobos Keynote war dazu eigentlich das meiste gesagt.

Für mich war es die erste AKEP-Jahrestagung, insofern fehlt mir der Vergleich zu den bisweilen kritisch gesehenen Veranstaltungen der letzten Jahre. Ich empfand die Atmosphäre als konstruktiv, als offen und vor allem als produktiv. Da wurde nicht mehr hinterfragt, ob das ganze elektronische Zeug überhaupt Sinn macht, da wurden konkrete Antworten und Lösungen gesucht. Ärmel hochkrempeln und los. Verlage, Dienstleister, Zwischenhandel, Buchhandel, alle waren da. Meine Kommissionssitzung zum Thema E-Books war voll, und es war – das fand ich extrem erfreulich – das kritischste Publikum, dem ich bislang gegenüber stand.

Also eine Branche im Aufbruch? Getragen von Technik-Nerds in konstruktiver Zusammenarbeit mit aufgeschlossenen Verlegern und Buchhändlern, die auch in Kindle-Zeiten an eine stationäre Zukunft glauben? Und – wie Gunter Dueck beschwor – in lustvoller Begeisterung für die neuen Medienformen?

Die Buchtage #btb12

Wer von so viel Innovations-Euphorie beschwingt die Eröffnungsrede der Buchtage von Börsenvereins-Vorsteher Gottfried Honnefelder hörte, hatte das Gefühl in vollem Lauf gegen eine Mauer zu knallen. Es fühlte sich so an, als würde vieles von dem negiert oder sogar kriminalisiert, was die am Tag zuvor skizzierten neuen Geschäftsmodelle und Produkte ausmacht. Und das in einer Rhetorik, die arrogant und herablassend wirkte. Die Stimmung der Twitter-Berichterstattung wendete sich innerhalb von Minuten von Sonnenschein zu Regenwetter. Aber dazu gleich noch mehr.

Weiter ging es mit der Rede von Hanser-Verleger Michael Krüger. By the way – was für eine erstklassige Rhetorik! Von Herrn Honnefelder so effektiv Begeisterungs-gestoppt war auch hier viel Konservatives, ja gar Reaktionäres zu hören. Ein Loblied auf vergangene Zeiten, gespickt mit Verweisen und Zitaten von Schriftstellern, von denen ich zu behaupten wage, dass die durchschnittliche Zuhörerschaft höchstens die Hälfte gekannt hat, es aber niemals zugeben würde! Aber dafür gebe ich zu, dass ich nur ein Fachbuchmensch und literarisch nicht besonders belesen bin.

Den Rest des Veranstaltung habe ich mir geschenkt, das hätte mich vermutlich zur Weißglut getrieben. Aber als ich im Zug nach Hause per Twitter dem Geschehen weiter folgte, gingen mir ein paar Gedanken durch den Kopf…

#akep12 vs. #btb12 – Die Untertöne

Also: Wer als innovativer AKEPler auf den #btb12 Reaktionäres hören wollte, der wurde reichlich bedient. Aber wer sich die Rede von Herrn Krüger nochmal in Ruhe durch den Kopf gehen lässt, hört dort auch andere Töne heraus. Er spannte den Bogen von seiner Wut über die aktuelle Urheberrechtsdebatte, über seine persönliche Historie und seine Begeisterung für den literarischen Boom der Nachkriegsjahre bis hin zur Gegenwart. Einer Gegenwart, die ihm nicht gefällt, die er in manchen Teilen nicht versteht und die ihm zu kurz- und zu schnellebig ist.

Aber – und darauf kommt es meiner Meinung nach an – er akzeptiert neue Entwicklungen als Evolution. Und genau das zeichnet für mich einen mutigen Verleger der Gegenwart aus! Wider das eigene Bauchgefühl Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind, sie im eigenen Unternehmen zuzulassen und sich Leute zu suchen, die sie umsetzen können. Ich hatte das Glück, während seiner Rede neben einer von mir hochgeschätzten Hanser-Mitarbeiterin aus dem Bereich E-Books zu sitzen, die genau aus diesem Grund von ihrem Chef begeistert war.

Und als ich zwei Tage später mit einer alles andere als rückwärts gewandten Buchhändlerin sprach, erzählte sie mir begeistert, wie sich Gottfried Honnefelder bei einer kritischen Begebenheit persönlich für sie eingesetzt hätte. Und das auch noch hocheffektiv und pragmatisch, also mit Eigenschaften, die wir Digitalos auch ganz toll finden. Sprich, manchmal sollten wir uns vielleicht erstmal selbst an die Nase fassen und nachdenken, bevor wir schlecht über andere schreiben. Ich tippe übrigens gerade einhändig.

Jetzt verstand ich auch, warum mir Honnefelders Tonfall so missfiel – ich war nicht die Zielgruppe, seine Rede war nicht für mich. Holla, da gibt es ja noch andere außer uns in der Branche. Wir wettern gegen die „Alten“ und werden von ihnen gleichzeitig entweder ignoriert oder als Bedrohung gesehen – so kam es  zumindest bei mir an. Und wenn mir etwas Sorgen bereitet, dann so etwas. Dass wir uns in derselben Branche gegenseitig bekämpfen, dass der Graben zu tief wird. Wir müssen dringend aufhören, das Ding tiefer zu buddeln und die dafür verschwendete Energie woanders rein stecken.

Mein Fazit

Aber bevor mir jemand vorwirft, ich würde Harmonisiererei betreiben: Mir ist bei einem richtig guten Mittagspausengespräch mit einer AKEP-Kollegin aufgegangen, was bzw. wer mich eigentlich so richtig nervt an diesem digitalen Graben bei uns in der Branche. Das sind NICHT Honnefelder oder die Evangelisten der digitalen Boheme. Denn beide stehen für etwas, sie haben eine Meinung, sie kämpfen für ihre Ziele und die Leute, die ihnen vertrauen. Das respektiere ich. Mich nerven diejenigen, die bei Honnefelder UND Dueck gleichermaßen begeistert klatschen, die ihr Fähnchen nach dem Wind drehen und die keine Stellung beziehen. Die bringen uns nämlich nicht voran.

Wer sich bewusst für die eine Seite oder die andere Seite des Grabens entscheidet bzw. Brücken baut, wer seine Kunden kennt und deswegen konsequent seinen Weg geht, vor dem ziehe ich meinen Hut. Als GRIN-Programmleiter weiß ich auf welcher Grabenseite ich stehe, als AKEPler versuche ich mich als Entwicklungshelfer im Brückenbau bzw. als Erdbebenbekämpfer, damit der Graben nicht zu groß wird.

Wer heute als Verlag jammert, dass er seinen Lesern leider keine E-Books anbieten kann und dann über die bösen Piratenseiten schimpft, meint damit, dass er E-Books nicht will – das Können ist heute nicht mehr das Problem. Und wer glaubt, dass Printbücher etwas besseres sind als E-Books und eine Gefahr für das Gute in der Welt, möge in Schockstarre verhaftet bleiben. Das passt schon. Macht nur. Es gibt ja uns.

Ich finde das alles nicht mehr schlimm, sondern eigentlich sogar ganz gut, denn so funktioniert Evolution nun mal. Für diejenigen, die nächstes Jahr immer noch zaudern und deswegen keine digitalen Produkte und Services auf die Reihe bekommen, für die hätte ich übrigens ein passendes Geschenk. Es ist ein Buch. Der Autor: Charles Darwin. Der Titel: Über die Entstehung der Arten. Natürlich die E-Book-Ausgabe. ;-)

 

Google Play: Das Online-Imperium baut seinen Todesstern

Autor: Fabian Kern, Lektor: Peter Schmid-Meil

Seit März heißt der Android Marketplace nun Google Play – statt dem grasgrünen Roboter-Männchen-Look hat der App-Shop nun eine sachliche, aufgeräumte Oberfläche. Was für Kunden, Partner und Beobachter des Suchmaschinen-Konzerns zunächst wie ein harmloser Facelift aussieht, ist wohl weit mehr: Nämlich der erste Schritt zum Aufbau einer breit angelegten Infrastruktur für ein rein Browser-basiertes Technik-Ökosystem, das Google zum Spitzenreiter in der Online-Content-Vermarktung von Medien aller Art machen soll.

In der Endausbaustufe, in Amerika bereits in weiten Teilen realisiert und online, wird Play folgende Komponenten umfassen, die alle auf tiefer Integration mit den einzelnen Strängen von Googles Technologie-Strategie beruhen:

1. Play als integrierte Shop-/Download-Plattform für Content und Apps

  • Audio: Durch Rechtevereinbarungen mit Musik-Anbietern wie Universal, EMI, Sony sowie der Rechteverwertungsagentur Merlin kann Google Music mit einem Start-Sortiment von geschätzten 13 Millionen Stücken an den Start gehen. Die Partnerschaft mit Merlin erlaubt ein rechtssicheres Angebot auch für die Bands von Independent-Labels wie z. B. Rough Trade, PIAS, Epitaph oder Naxos.
  • Video: Zum kompletten Content-Pool von youtube.com als Plattform für user generated Video kommen Filme und Serien kommerzieller Anbieter als kostenpflichtiger Download hinzu. Neben dem Kauf ist eine Verleih-Funktion/ Online-Videothek integriert.
  • E-Books: Zusätzlich zum kostenpflichtigen Angebot der Verlage als Content-Lieferanten stellt Google die kompletten Ergebnisse seiner Digitalisierungs-Initative als Pool ein. Die Preview-Funktion, die in Deutschland als Google Book Search bekannt und direkt in die Suchmaschine integriert ist, führt hier nahtlos zum Content, falls dieser für Verkauf/Download zur Verfügung steht.
  • Android Apps: Die Apps aus dem ehemaligen Marketplace werden nun über Play angeboten. Während die meisten der Anwendungen für Privatkunden nach wie vor kostenlos sind, profitiert Google von der Umsatzbeteiligung an den wenigen Top-10-Titeln aus dem Gaming-Bereich. Ähnlich der Unternehmenspolitik bei den Suchmaschinen-Tools werden die Business-Apps für Geschäftskunden als Cash Cows herangezogen.

Kostenlose und bezahlpflichtige Inhalte aus allen Bereichen werden in Play also nebeneinander angeboten und durch die Indexierung der Suchmaschine komplett über google.com suchbar. Jeder Content-Link ist mit den üblichen Share/Like-Funktionen für Social Networks verbunden.

2. Player/Reader für den Content im Browser

Ein Killer-Feature von Play ist die Tatsache, dass die Player bzw. Reader für alle Content-Typen HTML5-basierte Webanwendungen sind und somit ohne zusätzliche Software direkt im Browser ausgeführt werden – also ein fundamentaler Unterschied zu Apple iTunes und Microsofts MediaPlayer. An dieser Stelle macht sich für Google die Unterstützung diverser Open Source-Initiativen im Media-Bereich bezahlt:

  • Audio: MP3-Dateien kann mittlerweile jeder gängige Web-Browser abspielen – dass bei den Google-Tools hier auf diesen weitgehend offenen und nur für Hardware-Hersteller lizenzpflichtigen Codec gesetzt wird, ist also kein Wunder.
  • Video: Nach dem Kauf des Video-Technologie-Unternehmens On2 im Februar 2010 und der Veröffentlichung von VP8 als lizenzfreiem Video-Codec führt das WebM-Projekt die Welle der Implementierungen in frei verfügbaren Bibliotheken an. Google wiederum profitiert von diesem „Geschenk an die Open Source-Szene“ indirekt dadurch, dass jeder Content-Anbieter einen modernen Video-Codec verwenden kann, ohne dass Lizenzstreitigkeiten als Damokles-Schwert über seinem Geschäftsmodell schweben. Also: Ein freier Codec für alle.
  • E-Book: Vor dem Hintergrund des Books-Moduls von Play wird auch das Engagement von Google im Readium-Projekt verständlich. In dieser Initiative für eine Referenz-Implementierung des EPUB3-Standards wird ausschließlich auf HTML5-Technologien gesetzt, und auch das technische Setup zeigt klar die Stoßrichtung für die Zukunft. Der E-Book-Reader ist nichts anderes als ein in Javascript geschriebenes Plugin für Googles Chrome-Browser. Durch enge Kooperation der Entwicklerteams ist mittelfristig geplant, die EPUB-Darstellung direkt in die Backend-Bibliothek WebKit zu integrieren. Da WebKit nicht nur in Chrome, sondern auch in E-Book-Readern wie iBooks (Apple) oder dem neuen Kindle-Browser (Amazon) als Bibliothek für HTML-Rendering und Javascript-Interpretation verwendet wird, wäre der Gewinn für Entwickler, Content-Anbieter und Kunden ganz erheblich: Eine durchgehende, einheitliche und verlässliche Browser-Unterstützung für EPUB3 als E-Book-Branchenstandard für alle wichtigen Readersysteme. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass für amazons Kindle, Apples iBooks und Googles Play nur EINE einzige E-Book-Produktionsstrecke nötig ist.

Readium als HTML5-EPUB-Reader liegt zwar erst in der zweiten Alpha-Version 0.19 vor und ist noch weit von voller EPUB3-Unterstützung entfernt, aber EPUB-2.0-E-Books sehen darin bereits jetzt ziemlich gut aus – und das in einem Browser:

Quelle/Copyright: Fabian Kern, unter Verwendung von Content der Haufe Gruppe

Was bei Testern aus der Welt der PC-Zeitschriften immer wieder für Verwunderung und hämische Kritiken sorgt, ist die Tatsache, dass alle Tools und Werkzeuge in der Regel bereits im Alpha- oder Beta-Stadium live gestellt werden. Doch dieses Vorgehen hat Methode: Durch den frühen Projektstart, das Offenlegen der technischen Daten, Schnittstellen und oft sogar des Quellcode profitiert Google in seiner agilen Entwicklungspolitik immens durch das Feedback von tausenden Open-Source-Entwicklern und hunderttausenden Kunden, die als Beta-Tester unter realen Bedingungen die stetige Verbesserung der Systemlandschaft möglich machen.

3. Die Wolke als Content-Speicher

Alle über Play erworbenen Inhalte werden in einem bei Google gehosteten Cloud-Speicher vorgehalten. Sie stehen damit auf jedem Gerät des Nutzers zur Verfügung, auf dem ein Browser läuft – ohne Notwendigkeit zur Synchronisation von Inhalten oder Download der Dateien. Für den Gebrauch ohne Online-Verbindung können Inhalte zwar auch über das Offline-Browsing-Feature von HTML5 lokal repliziert werden, notwendig ist dies aber nicht. Für Gerätehersteller, die auf Google-Technologien setzen, ist das ein zentraler strategischer Vorteil: Festplatten und lokaler Speicher können deutlich kleiner gehalten werden als dies z. B. unter Apples iOS möglich ist, die Leistungsfähigkeit der Geräte-Akkus als limitierender Faktor für die Weiterentwicklung der Hardware wird damit zumindest teilweise umgangen. Der Nachteil dieses schlanken Systemaufbaus: Ohne Online-Anbindung geht nicht viel.

Übrigens ist auch der Upload von eigenen Dateien in den meisten üblichen Dateiformaten möglich. Die Daten werden im selben Cloud Storage gehalten wie gekaufter Content; alle Inhalte werden mit dem Google-User-Account verknüpft und in Google+ integriert. Der Speicherplatz ist zwar bei den kostenlosen Nutzerkonten nicht unbegrenzt, dürfte aber selbst für große Medienbibliotheken einige Zeit reichen (z. B. 20.000 Musik-Dateien – selbst audiophile Sammler wie der Autor haben hier eine Weile zu tun, bis der Speicher voll ist).

Für den Kunden wird das ganze einmal so aussehen:

Quelle/Copyright: Google

Der nächste Schritt – ein Native Client für Apps im Browser

Soweit, so gut, Player und Reader im Browser gibt es also für Audio, Video und E-Books, aber was ist mit den Apps? Dazu passt frisch aus den Google Labs ein Software-Projekt mit dem für Nicht-ITler zugegeben kryptischen Namen „Native client“. Dahinter verbirgt sich ein innovativer Ansatz zur Erweiterung eines Browsers um die zentralen Funktionen eines Betriebssystems. Dabei werden zwei Komponenten in den Browser integriert:

  1. Der eigentliche „Native client“, eine schlanke und hochperformante C-Bibliothek zur Ausführung von nativen C/C++-Anwendungen innerhalb einer Application-Sandbox des Browsers. Auf Deutsch: Der Browser wird zum Betriebssystem – und dabei ist es irrelevant, ob er unter Windows, Mac OS oder was auch immer läuft. Er kann Programmcode ausführen und verfügt über eine eigene Speicherverwaltung,  Anzeige und UI-Rendering der laufenden Anwendungen übernimmt dabei WebKit als HTML5/CSS/Javascript-Bibliothek.
  2. Eine Hardware-Abstraktionsschicht namens „Pepper“: Hier sind die Bibliotheken für File-Input/Output, Audio/Video-Ansteuerung und UI-Rendering realisiert, die an die konkrete Hardware des Gerätes weitergeleitet werden müssen, damit eine Anwendung auf die Systemressourcen zugreifen kann.

Das Anwendungsmodell sieht dabei etwa so aus:

Quelle/Copyright: Google, Native Client Project

Dass parallel mit Dart als Anwendungssprache und Go als Sprache für Server-Funktionen und Systemprogrammierung von Cloud-Applikationen zwei weitere Entwickler-Komponenten veröffentlicht werden, ist sicher kein Zufall: Neben einer modernisierten, auf die Google-Infrastruktur angepassten Anwendungsumgebung deutet sich in den technischen Spezifikationen die Möglichkeit an, ähnlich wie im Silk-Browser von Amazon sogar die Rechenoperationen der Applikationen je nach Notwendigkeit auf den Hardware-Client und Cloud-Services aufzuteilen.

Gelingt es Google, dieses Modell stabil, performant und sicher zu realisieren, wäre das ein Quantensprung für die App-Entwicklung, denn damit wäre es möglich, native Anwendungen in C/C++/Javascript direkt im Browser und unabhängig von der Hardware des Gerätes auszuführen. Sprich, Google Play inklusive aller Apps funktioniert auf jedem Gerät, auf dem ein Browser läuft – völlig egal, welcher Prozessor, welcher Speicher dort eingebaut ist und völlig egal, welches Betriebssystem darauf läuft. Also jedem SmartPhone, PC, Mac, Tablet, E-Book-Reader, jeder Spielkonsole, jedem modernen Fernseher, überall!

Google Play und sein Backend – eine Sammlung von Killer-Applikationen?

Für Europa wird dieses Szenario sicher noch für einige Zeit Zukunftsmusik bleiben, zum einen wegen der hierzulande umstrittenen und fragmentierten Urheberrechts-Situation für den Content, zum anderen weil das für Online-Ökosysteme notwendige Breitband-Internet über Mobilfunk noch lange nicht flächendeckend verfügbar ist. Die komplette Content-Integration im Browser ist jedoch bereits eine so moderne Weiterentwicklung der Konzepte, die Apple wie Amazon durch ihre weitgehend proprietären und geschlossenen Hardware/Software-Kombinationen realisieren, dass Google sich durch seine reine Online-Orientierung quasi als Parasit in alle anderen Ökosysteme einnisten kann, auf denen Chrome als Browser lauffähig ist.

Kann darüber hinaus aber auch noch der Native-Client-Ansatz technisch sauber realisiert und in der Entwickler-Szene durchgesetzt werden – hier sind noch viele Fragen offen bei kritischen Themen wie Sicherheit oder Datenhoheit  – wäre das nicht weniger als ein breit angelegter Großangriff auf alle anderen Ökosysteme, Hardware- und Software-Anbieter auf einmal. Ob das gelingt, da bin ich gespannt, denn Google Play und der Native Client sind noch lange nicht fertiggestellt und voll einsatzfähig, aber ein Stück vom Todesstern ist bereits sichtbar. So stellt sich die Frage, wann es heißen wird „Schalten Sie die Hauptzündung ein…“

Quelle/Copyright: Lucasfilm Ltd.

E-Book – The Next Generation: amazons neues Kindle-Format KF8

Autoren: Peter Schmid-Meil, Fabian Kern

Welch Ehre: Das amazon-Kindle-Team höchstselbst hatte geladen, um einen Überblick des neuen Kindle-Formats 8 (KF8) zu geben. Dazu war eigens Alan Gilchrest, seines Zeichens Sr. Manager Product Management für das Kindle Format aus der Konzernzentrale in Seattle angereist und hat sich unseren Fragen gestellt. Was also bietet KF8, was ist neu und was funktioniert eventuell nicht mehr?

Zuerst ein kurzer Blick zurück

Vier Jahre ist das aktuelle Format Mobi7 alt, in dem alle E-Books auf den bisher in Deutschland erhältlichen Kindle-Modellen dargestellt werden. Originales EPUB zeigen die Kindles nicht an, amazon wandelt diese Daten um, bevor sie in den Kindle Store wandern. Die Darstellungsmöglichkeiten von MOBI sind beschränkt und in etwa vergleichbar mit dem HTML-Standard 3.2, der bereits 1997 durch HTML 4.0 ersetzt wurde – höchste Zeit also für eine Aktualisierung.
Für Mitmenschen, die noch Zeitzeugen der ersten Browserkriege waren: Die Kindle Reader können mit MOBI etwa so viel HTML und CSS darstellen wie der Internet Explorer 4.0 vor 10 Jahren, nämlich nahezu NICHTS.

Zurück in die Gegenwart bzw. Zukunft

Somit bedeutet dieses Technical Preview ein riesengroßes Aufatmen – amazon überspringt mit KF8 gleich zwei Generationen der Web-Entwicklung und steigt direkt im Jahre 2012 wieder ein und schließt damit zu Apples iBooks auf. Denn KF8 verspricht rein technisch eine weitgehende Unterstützung von HTML5 und CSS3. Das bedeutet zum Beispiel konkret:

  • Reflow Layouts, die für die jüngste Generation E-Book-Reader erstellt wurden, werden nun auch für den Kindle sinnvoll konvertiert und dargestellt. Die Zeit des „Tag für Tag“- und „CSS-property für CSS-property“-Testens, ob die EPUB-Dateien auch wirklich auf der amazon-Plattform ankommen, könnte also bald vorbei sein.
  • Fixed Layouts mit präziser Stylekontrolle werden möglich. Wer sich dafür entscheidet, verliert allerdings die Vorzüge von klassischen EPUB-Features wie z. B. der Schriftgrößenveränderung mit automatischem Neuumbruch.
  • Für alle Content-Lieferanten, die bereits eine EPUB-Produktionslinie auf Basis des momentanen Stands der Technik aufgebaut haben: wer Standard-konformes HTML/CSS für seine Inhalte verwendet, kann sich darauf verlassen, dass seine Inhalte nicht mehr wie Kraut & Rüben beim Kindle ankommen, sondern so wie sie sollen.
  • Eingebettete Schriftarten, d.h. eine Typographie, die ihren Namen verdient, wird möglich. Heißa! (zumindest wenn man stolzer Besitzer von OTF/WOFF-Types ist)
  • Audio- und Videounterstützung. Das ist echtes Enhancement, das kann Papier definitiv nicht. Klingt erstmal super, könnte aber im Detail schwierig werden. Denn es ist noch ist noch klar, welche Codecs und Formate hier funktionieren.
  • Verbesserte Tabellendarstellung, vor allem eine iBooks-ähnliche Overlay- und Zoom-Funktion.
  • Verbesserte Darstellung von Grafiken und Bildern. Egal wie groß sie sind, sie  lassen sich in eigenem Fenster öffnen. Zwei-Finger-Pinch-and-Zoom à la Apple heißt die Devise, v.a. bei den Touch-Devices a la Kindle Fire (so sie dann mal in D erhältlich sind).
  • Panel Views, also z. B. die gezielte Vergrößerung und Hervorhebung von Texten oder Abbildungen werden Standard-Funktion. Ideal für Comics oder Kinderbücher, vermutlich auch für Kochbücher. Bildunterschriften oder kurze Text-Erklärungen zu Bildern und Grafiken lassen sich als sogenannte „Text Pop-Ups“ definieren und per Antippen vergrößern.
  • Interaktive und dynamische Contents. Definitiv ein Schlüsselfaktor für die Enhanced E-Books von morgen! HTML5 erlaubt das Einbetten von Programmcode, sprich von Funktionen wie man sie bislang nur von Programmen und Webseiten kennt wie z. B. Spiele, interaktive Grafiken etc. Aber was hier genau unterstützt wird und vor allem wann, ist noch nicht ganz klar. Sagen wir mal, wir freuen uns auf die nächste Technik-Session mit amazon und reden in 2013 nochmal drüber :-) Ob am Ende anspruchsvolle Mehrwert-Anwendungen wie Multiple Choice-Tests in E-Books, bedingt angezeigte Texte aufgrund Leserentscheidungen etc. möglich werden, oder nur audio-visuelle nette Goodies a la „die Sonnenblume auf der Buchseite lacht auf, sobald der Leser auf das Bild tippt“ – da lassen wir uns mal überraschen und hoffen auf den maximalen Kundennutzen.
  • Eine Interaktion mit Online-Inhalten – also ähnlich wie bei Web- oder Hybrid-Apps für SmartPhones – wird es bis auf weiteres wohl nicht geben. Das dürfte einen der Hauptunterschiede zwischen E-Books und Apps darstellen.

Beispiele und passende Tools finden Sie unter www.amazon.com/kindleformat.

Ein EPUB für alle!

Wer sich bereits mit Apple iBooks intensiv auseinandergesetzt hat, dem mag das alles ein müdes Gähnen entlocken, unterstützt iBooks doch HTML5/CSS3 schon länger. Aber genau hier werden KF8 und die neuen Kindles so richtig effektiv. Bislang waren für eine optimale Darstellung von E-Books auf beiden Plattformen unterschiedliche Dateien notwendig, alles andere war ein Kompromiss. Diese Zeiten sind jetzt vorbei – mit einer EPUB-Datei und identischen, darin eingebetteten HTML/CSS-Dateien sind beide Reader richtig gut bedienbar.

Und wer noch mehr Differenzierung für den „Feinschliff“ braucht – die beiden Kindle-Plattformen KF8/Mobi sind nun per CSS-Media-Queries addressierbar, sprich die Darstellung richtet sich nach dem Reader, auf dem sie angezeigt wird.  Wenn also alles andere nichts hilft, um auf wirklich allen Readern die gewünschte Darstellung zu erreichen: Fragen Sie den Webdesigner ihres Vertrauens und lassen sie sich auf Basis derselben HTML-Daten zwei oder mehr verschiedene CSS-Ausgaben erstellen.

Als Basisdaten für KF8 sind – Jubelrufe sind erlaubt – EPUB3- oder HTML5-Dateien erlaubt. Ein weiterer Vorteil: Trotz der größer werdenden Vielfalt der Kindle-Geräte genügt trotzdem eine E-Book-Datei. Für jede Kindle-Variante wird automatisch die richtige Version ausgeliefert. Über Kontroll-Tools wie den Kindle Previewer und KindleGen sind eine ziemlich genaue Vorschau und eine passende Konvertierung jederzeit möglich.

Webkit als Anzeige-Maschine

Aber was passiert, wenn man KF8 so richtig ausnutzt? Ein voll aufgerüstetes Enhanced E-Book funktioniert am besten auf dem neue Reader-Flaggschiff, dem Kindle Fire. Als modifiziertes Android-Tablet verfügt er über einen leistungsstarken Prozessor und verwendet einen Webkit-Browser zur Anzeige von E-Books – ein analoges Verfahren nutzt übrigens Apple, die iBooks-App basiert auf dem Webkit-Browser Safari.

A propos „Webkit“ – die Nachricht, dass die neue amazon-Reader-Plattform nun auch auf dieser Backend-Bibliothek aufsetzt, entlockt dem Autor dezente Jubelrufe – weniger weil man Fan dieser Open-Source-Bibliothek ist (das sowieso), sondern weil das eine enorme Arbeitserleichterung bedeutet. Denn nun setzen alle E-Reader-Plattformen der zweiten Generation – iBooks (Apple), Readium (Adobe, Google, Sony, etc.) und Kindle (amazon) –  auf derselben Engine für die Darstellung von HTML/CSS und die Interpretation von Javascipt auf!

Auf Deutsch: Die Zeit, in der wir Verlage ganze Heere an Dienstleistern damit beschäftigen müssen, „low level-testing“ für viele verschiedene EPUB-Browser zu praktizieren wie in den schlimmsten Zeiten der Web-Jungsteinzeit, nur um eine Text-Darstellung zu erreichen, bei der man nicht beide Augen zudrücken muss, um ein Produkt aus dem Haus zu lassen, könnte in 1-2 Jahren vorbei sein. Und wir können unsere Leute dafür einsetzen, wirklich werthaltige Dinge zu tun, z. B. coole Produktdesigns entwickeln, neue Geschäftsmodelle unterstützen, sich endlich über echten Kundennutzen Gedanken zu machen usw… Klasse, ich freu mich drauf.

Und was ist mit den „alten“ Kindles?

Auch ältere Kindles – sprich die beiden bisher in Deutschland verkauften Varianten mit und ohne Keyboard – werden per Systemupdate auf KF8 aktualisiert. Also sind auch hier keine Sonder-EPUBs für ältere amazon-Reader nötig, die Verlage können sich also entspannt zurücklehnen.

Tja, und was geschieht, falls der Kunde ein Enhanced E-Book kauft und keinen Kindle Fire sein Eigen nennt, sondern „nur“ ein älteres Gerät? Auch hier gibt es Abhilfe. Zuerst zur Optik: Über die o.g. Media Queries ist es möglich, das genutzte Endgerät zu erkennen und das Layout per CSS anzupassen – ohne zu Inhalte anfassen zu müssen.

Jetzt zur Funktionalität: Ist ein Endgerät nicht in der Lage z. B. eine per JavaScript gesteuerte Funktion auszuführen, bleibt das E-Book dennoch in seiner Gesamtheit nutzbar. Jede nicht umsetzbare Technik wird je nach den Möglichkeiten des genutzten Kindle Stück für Stück abgeschaltet, so bleibt immer der maximale Funktionsumfang erhalten. Dieses Vorgehen ist unter dem Begriff „graceful degradation“ bekannt und sorgt erfahrungsgemäß für minimale Fehlerquoten.

Wer auf einen modernen Kindle upgradet verliert übrigens keine persönlichen Daten. Notizen, Lesezeichen und Markierungen sollen beim Umzug auf das neue Gerät laut amazon erhalten bleiben.

Unser Fazit

F8 in Einheit mit EPUB3 bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass nun Enhanced E-Books mit exakten Layouts und erweiterten Funktionen möglich sind. Erlaubt ist, was mit HTML5, CSS3 und JavaScript machbar ist – und das ist eine ganze Menge! Mehr denn je sind Verlage gefordert, sich diesen Technologien zu stellen, sich entsprechendes Know-how anzueignen und ihre Produktentwicklung den neuen Möglichkeiten anzupassen.

Erfreulich war die Offenheit, mit der amazon diese Informationen weitergegeben hat, bitte weiter so! Allerdings schade, dass wir trotz mehrfachen Nachfragens keine genauen Termine für den Rollout von KF8 und das Erscheinen der neuen Kindles auf dem deutschen Markt erfahren konnten. Aber für das zukunftssichere Erstellen von EPUBs ist KF8 für die nächsten Jahre ein echter Fortschritt.

 

Das Projekt Readium: EPUB3-Beschleuniger oder Lesespaß-Bremse?

Das IDPF hat verkündet, dass sich alle Player der E-Book-Branche zum Projekt Readium zusammenschließen, um die konsequente Umsetzung des EPUB3-Standards für E-Books zu beschleunigen. Wirklich alle? Fast. Die beiden großen „A“s amazon und Apple tauchen in der Mitspielerliste nicht auf. Komisch, was?

Im ersten Moment liest sich alles ganz gut. Sich Webkit als technische Basis auszusuchen ist naheliegend und keine dumme Idee – die Google- und Apple-Browser Chrome und Safari laufen damit, für den auf der Gecko-Engine basierenden Firefox gibt es EPUB-PlugIns. Aber wie beim W3C oder anderen Gremien aus verschiedenen Großunternehmen stellt sich die Frage, ob die Projektmitglieder wirklich an einem Strang ziehen oder nicht.

Falls das alles klappt, können wir alle unsere gerade in Arbeit befindlichen EPUB2-Konvertierungs-Workflows schnell fertig machen, kurz durchschnaufen statt in den Urlaub zu fahren, ein Bier trinken und uns an die EPUB3-Workflows setzen. Inklusive fixed Layouts, die damit dann eigentlich möglich sein müssten.

Allerdings ist die konsequente Darstellung der EPUB3-Konvention trotz fixes Layout nur die halbe Miete. Das wirklich Spannende ist die Skriptfähigkeit von HTML5. Sprich, man kann endlich rein browserbasiert Zusatzfunktionalitäten wie Spiele, interaktive Grafiken etc. einbauen und somit echte Enhanced E-Books bauen. Zehn Beispiele was HTML5 ermöglicht, finden sich z. B. hier. Einfach auf die Überschriften klicken und bitte keinen alten Internet Explorer benutzen, sondern möglichst die aktuellen Ausgaben von Chrome, Safari oder Firefox.

Bitte nicht irritieren lassen, auf diesen Seiten steckt KEIN Flash dahinter, das ist pures HTML5/CSS3 mit JavaScript, sprich diese Dinge laufen rein im Browser! Wer’s nicht glaubt, möge sich den Quellcode anschauen. Hier wird es interessant, was die Reader wirklich darstellen können, sobald EPUB3 implementiert ist. Die Tabletts dürften dabei klare Vorteile gegenüber den E-Ink-Geräten haben, die Displays sind viel schneller und die Rechenleistung ist größer.

Außerdem verändert das die Landschaft der Content-Generierung noch schneller als bislang. Verlage können Text, aber können Sie auch Funktionalität, sprich Software? Und damit meine ich nicht nur einen JavaScript-Programmierer einstellen und „Mach mal“-Sagen, sondern bisherige Printprojekte wirklich neu denken?

Ob Readium nun ein Erfolg wird oder nicht erscheint mir zweitrangig – EPUB3 mit HTML5 kommt so oder so. Die Quintessenz bleibt gleich: Liebe Branchenkollegen, selbst falls ihr eure Ärmel schon hochgekrempelt haben solltet, krempelt sie höher! Und zwar flott!

Eine kleine Office-Satire

Ich hab ja grad Zeit. Warum? Weil mein Office 2010 gerade „repariert“ wird. Und das dauert. Also erzähle ich meine ganz persönliche Jahreseinstands-Bürosatire aus dem echten Leben:

Es begann Ende Dezember mit einer Ordre de Mufti „Sie bekommen jetzt Office 2010, da gibts ein neues Planungstool.“ Fein, wird das alte Office XP mal abgelöst – auch wenn die Planung erst im Herbst ansteht.

Dann die Ansage der IT-Abteilung: „Sie können das mit dem Installieren ja selbst, starten Sie einfach im Verzeichnis XY die eine Batch-Datei da.“ War das jetzt Faulheit oder Vertrauen? Egal, so habe ich die Entscheidung, wann das Ganze bei mir reinpasst, auch gut. Also los, vor der Mittagspause die Installation starten, läuft alles wunderbar, nach einer halben Stunde läuft alles.

Naja, fast alles. Diverse bislang 1-seitige Excel-Ausdrucke werden nun in 20 Seiten zerhäckselt. Aber nur auf dem Schwarz-weiß-Drucker, der Farblaser macht alles wie gehabt. Die IT-Abteilung ist ratlos, selbst der mörderfitte Abteilungs-Student gibt nach einer Stunde Ursacehnforschung auf. Ich wittere ein Komplott der Farbtoner-Produzenten.

10 Tage später: Jedes Office-Programm meldet sich beim Start mit der Meldung „Ihre Office-Version ist nicht aktiviert. Sie können Outlook/Word/Excel nur noch 3 Tage nutzen“. Der Countdown läuft. Auf einmal überkommen mich Ängste – will man mich loswerden? Schnell die anderen Planungs-betroffenene Kollegen fragen! Dann erleichtertes Aufatmen, denen geht’s genauso. Also eine Mail an die IT-Abteilung geschrieben – in der Hoffnung die Antwort noch rechtzeitig zu erhalten, bevor sich Outlook nicht mehr starten lässt.

Und tatsächlich, rechtzeitig kommt eine Mail! „Den Aktivierungs-Key finden Sie unter XY.“ Prima. Klicken wir doch gleich mal in Outlook auf „Productkey ändern.“ Pause. Fingertrommeln auf dem Tisch. Keine Antwort. Na gut. Man gibt ja nicht auf, also wo zur Hölle gibt man diesen Code manuell ein? 5 Minuten später kenne ich jedes Outlook-Menü, das Gesuchte war nicht dabei. Also starte ich die Programmhilfe und suche. Und was lerne ich dabei? Seitdem MS die Suchmaschine Bing sein Eigen nennt, landet jede Hilfesuche nicht nur in den Hilfedateien des Programms, sondern vor allem im Internet. Auf irgendwelchen Office-Tippseiten. Was sich bei der Suche nach einer Excelfunktion noch als Katastrophe herausstellte, funktioniert hier zum Glück ganz gut.

Also: Systemsteuerung aufrufen, „Software“ anklicken, Office 2010 auswählen und auf den „Ändern“-Button klicken. Productkey eingeben und jetzt ist alles gut. Wie üblich rödelt die Festplatte noch eine Weile und wie üblich verlangt Windows einen Neustart. Einen Kaffee später starten Excel, Word und PowerPoint problemlos. Aber wo zur Hölle ist mein Outlook? Weg! Getilgt! Keine outlook.exe mehr auf dem Rechner. Trotz des richtigen Productkeys!

Ratloses Schulterzucken in der IT. „Hm, probieren Sie mal die Reparaturfunktion von Office. Sie finden Sie unter Systemsteuerung – Software…“ “ Ja, ich WEISS!“ Tja, und jetzt ist sie gerade fertig geworden, die Reparaturfunktion. Und Windows verlangt einen Neustart. Dann schau mer mal, was jetzt passiert, sobald Windows neu startet. Ich hol mir derweil mal nen Kaffee…