Evolution live: Der digitale Graben in der Buchbranche

Berlin, Juni 2012. Die Buchbranche begeht die AKEP-Jahrestagung und die Buchtage. Und obwohl dahinter EIN Verband und EINE Branche stehen, tut sich ein digitaler Graben auf und einige der Mitstreiter auf beiden Seiten sind entsetzt. Sind sie das zurecht?

Die AKEP-Jahrestagung #akep12

Es geht um Piraterie, um E-Books, um Technik, um das Sein am digitalen Puls der Zeit. Und der AKEP lädt sich mit Sascha Lobo und Gunter Dueck zwei kritische Keynoter ein, die uns – vermeintlich ohnehin schon fortschrittlichen Branchenstreitern – pointiert und intelligent aufzeigen, dass wir eigentlich ganz schön hinten dran sind. Und das erzeugt bei uns Innovativen natürlich weiteren Innovationsdruck.

Den Umgang mit dem Thema Piraterie fand ich auf AKEP-Seite übrigens ziemlich souverän. Es wurden NICHT irgendwelche Leute kriminalisiert, die mal ein illegales PDF ziehen, weil es das E-Book legal nicht gibt. Es wurde NICHT wild drauf los gejammert, wie böse denn die Welt sei und der Untergang des Abendlandes wurde ebenfalls NICHT heraufbeschworen. Nach Meister Lobos Keynote war dazu eigentlich das meiste gesagt.

Für mich war es die erste AKEP-Jahrestagung, insofern fehlt mir der Vergleich zu den bisweilen kritisch gesehenen Veranstaltungen der letzten Jahre. Ich empfand die Atmosphäre als konstruktiv, als offen und vor allem als produktiv. Da wurde nicht mehr hinterfragt, ob das ganze elektronische Zeug überhaupt Sinn macht, da wurden konkrete Antworten und Lösungen gesucht. Ärmel hochkrempeln und los. Verlage, Dienstleister, Zwischenhandel, Buchhandel, alle waren da. Meine Kommissionssitzung zum Thema E-Books war voll, und es war – das fand ich extrem erfreulich – das kritischste Publikum, dem ich bislang gegenüber stand.

Also eine Branche im Aufbruch? Getragen von Technik-Nerds in konstruktiver Zusammenarbeit mit aufgeschlossenen Verlegern und Buchhändlern, die auch in Kindle-Zeiten an eine stationäre Zukunft glauben? Und – wie Gunter Dueck beschwor – in lustvoller Begeisterung für die neuen Medienformen?

Die Buchtage #btb12

Wer von so viel Innovations-Euphorie beschwingt die Eröffnungsrede der Buchtage von Börsenvereins-Vorsteher Gottfried Honnefelder hörte, hatte das Gefühl in vollem Lauf gegen eine Mauer zu knallen. Es fühlte sich so an, als würde vieles von dem negiert oder sogar kriminalisiert, was die am Tag zuvor skizzierten neuen Geschäftsmodelle und Produkte ausmacht. Und das in einer Rhetorik, die arrogant und herablassend wirkte. Die Stimmung der Twitter-Berichterstattung wendete sich innerhalb von Minuten von Sonnenschein zu Regenwetter. Aber dazu gleich noch mehr.

Weiter ging es mit der Rede von Hanser-Verleger Michael Krüger. By the way – was für eine erstklassige Rhetorik! Von Herrn Honnefelder so effektiv Begeisterungs-gestoppt war auch hier viel Konservatives, ja gar Reaktionäres zu hören. Ein Loblied auf vergangene Zeiten, gespickt mit Verweisen und Zitaten von Schriftstellern, von denen ich zu behaupten wage, dass die durchschnittliche Zuhörerschaft höchstens die Hälfte gekannt hat, es aber niemals zugeben würde! Aber dafür gebe ich zu, dass ich nur ein Fachbuchmensch und literarisch nicht besonders belesen bin.

Den Rest des Veranstaltung habe ich mir geschenkt, das hätte mich vermutlich zur Weißglut getrieben. Aber als ich im Zug nach Hause per Twitter dem Geschehen weiter folgte, gingen mir ein paar Gedanken durch den Kopf…

#akep12 vs. #btb12 – Die Untertöne

Also: Wer als innovativer AKEPler auf den #btb12 Reaktionäres hören wollte, der wurde reichlich bedient. Aber wer sich die Rede von Herrn Krüger nochmal in Ruhe durch den Kopf gehen lässt, hört dort auch andere Töne heraus. Er spannte den Bogen von seiner Wut über die aktuelle Urheberrechtsdebatte, über seine persönliche Historie und seine Begeisterung für den literarischen Boom der Nachkriegsjahre bis hin zur Gegenwart. Einer Gegenwart, die ihm nicht gefällt, die er in manchen Teilen nicht versteht und die ihm zu kurz- und zu schnellebig ist.

Aber – und darauf kommt es meiner Meinung nach an – er akzeptiert neue Entwicklungen als Evolution. Und genau das zeichnet für mich einen mutigen Verleger der Gegenwart aus! Wider das eigene Bauchgefühl Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind, sie im eigenen Unternehmen zuzulassen und sich Leute zu suchen, die sie umsetzen können. Ich hatte das Glück, während seiner Rede neben einer von mir hochgeschätzten Hanser-Mitarbeiterin aus dem Bereich E-Books zu sitzen, die genau aus diesem Grund von ihrem Chef begeistert war.

Und als ich zwei Tage später mit einer alles andere als rückwärts gewandten Buchhändlerin sprach, erzählte sie mir begeistert, wie sich Gottfried Honnefelder bei einer kritischen Begebenheit persönlich für sie eingesetzt hätte. Und das auch noch hocheffektiv und pragmatisch, also mit Eigenschaften, die wir Digitalos auch ganz toll finden. Sprich, manchmal sollten wir uns vielleicht erstmal selbst an die Nase fassen und nachdenken, bevor wir schlecht über andere schreiben. Ich tippe übrigens gerade einhändig.

Jetzt verstand ich auch, warum mir Honnefelders Tonfall so missfiel – ich war nicht die Zielgruppe, seine Rede war nicht für mich. Holla, da gibt es ja noch andere außer uns in der Branche. Wir wettern gegen die „Alten“ und werden von ihnen gleichzeitig entweder ignoriert oder als Bedrohung gesehen – so kam es  zumindest bei mir an. Und wenn mir etwas Sorgen bereitet, dann so etwas. Dass wir uns in derselben Branche gegenseitig bekämpfen, dass der Graben zu tief wird. Wir müssen dringend aufhören, das Ding tiefer zu buddeln und die dafür verschwendete Energie woanders rein stecken.

Mein Fazit

Aber bevor mir jemand vorwirft, ich würde Harmonisiererei betreiben: Mir ist bei einem richtig guten Mittagspausengespräch mit einer AKEP-Kollegin aufgegangen, was bzw. wer mich eigentlich so richtig nervt an diesem digitalen Graben bei uns in der Branche. Das sind NICHT Honnefelder oder die Evangelisten der digitalen Boheme. Denn beide stehen für etwas, sie haben eine Meinung, sie kämpfen für ihre Ziele und die Leute, die ihnen vertrauen. Das respektiere ich. Mich nerven diejenigen, die bei Honnefelder UND Dueck gleichermaßen begeistert klatschen, die ihr Fähnchen nach dem Wind drehen und die keine Stellung beziehen. Die bringen uns nämlich nicht voran.

Wer sich bewusst für die eine Seite oder die andere Seite des Grabens entscheidet bzw. Brücken baut, wer seine Kunden kennt und deswegen konsequent seinen Weg geht, vor dem ziehe ich meinen Hut. Als GRIN-Programmleiter weiß ich auf welcher Grabenseite ich stehe, als AKEPler versuche ich mich als Entwicklungshelfer im Brückenbau bzw. als Erdbebenbekämpfer, damit der Graben nicht zu groß wird.

Wer heute als Verlag jammert, dass er seinen Lesern leider keine E-Books anbieten kann und dann über die bösen Piratenseiten schimpft, meint damit, dass er E-Books nicht will – das Können ist heute nicht mehr das Problem. Und wer glaubt, dass Printbücher etwas besseres sind als E-Books und eine Gefahr für das Gute in der Welt, möge in Schockstarre verhaftet bleiben. Das passt schon. Macht nur. Es gibt ja uns.

Ich finde das alles nicht mehr schlimm, sondern eigentlich sogar ganz gut, denn so funktioniert Evolution nun mal. Für diejenigen, die nächstes Jahr immer noch zaudern und deswegen keine digitalen Produkte und Services auf die Reihe bekommen, für die hätte ich übrigens ein passendes Geschenk. Es ist ein Buch. Der Autor: Charles Darwin. Der Titel: Über die Entstehung der Arten. Natürlich die E-Book-Ausgabe. ;-)

 

Medien-Stimmungsbild USA: Lesen ja – Bücher nein

Endlich mal wieder Urlaub – der leider gerade eben vorbei ist. Das Ziel war mal wieder die USA. Eine Woche mit lauter amerikanischen und kanadischen Touristen auf einer Kreuzfahrt nach Mexiko und eine Woche privat untergebracht in San Francisco.

Es heißt, die USA sind uns in Punkto Mediennutzung etwa zwei Jahre voraus. Tja, wenn das stimmt, dann werden sich Wälder freuen, denn papierbasierte Medien sind dort bereits schwer auf dem Rückzug. Und auch das Fernsehen darf sich warm anziehen, zumindest einige Zielgruppen haben es bereits komplett durch das Internet ersetzt.

Auf dem schicken Kreuzfahrtschiff konnte man ganz hervorragend beobachten, ob und wie die Menschen zu reinen Unterhaltungszwecken lesen. Und gelesen wurde viel! Allerdings in erster Linie per Reader und iPad. Ich wage zu behaupten, dass auf diesem 3000 Gäste fassenden Schiff mehr eBooks über den Pazifik geschippert sind als physische Bücher. Ach, das glauben Sie nicht? Sehen Sie selbst, hier ein typischer Schnappschuss:

lauter Reader, keine Bücher
Lauter Reader, keine Bücher

Im Übrigen alles ältere Herrschaften, keine Techies. Letztere waren allerdings auch an Bord, aber meistens im Schatten – deren iPads vertragen so wenig Sonne wie ihre Haut:

Juhu, ein Buch!
Juhu, ein Buch!

Der eBook-Nachschub war übrigens an Bord kein Problem, das Offshore-WLAN war zwar nicht besonders schnell und nicht ganz billig, aber für ein oder zwei eBook-Downloads ideal.

Passend dazu war die Buchladenlandschaft in San Francisco. Die großen Buchhandlungen, in denen ich mich noch vor zwei Jahren rumgetrieben habe waren allesamt nicht mehr da. Es gibt noch Buchläden, oja, aber ausschließlich kleine, wunderschöne und meist spezialisierte Geschäfte, dort wird das Gefühl, die Emotion Buch noch gepflegt und gelebt. Auch als Kunst-Installation lebt das Buch! Die Bücher fliegen über der Straße…

Fliegende, aber leere Bücher
Fliegende, aber leere Bücher

…die Worte sind allerdings auf die Straße gefallen:

Ansonsten sind Bücher in allen möglichen Läden vorhanden, so ungefähr mit dem gleichen Stellenwert wie Postkarten. Die hat man halt im Sortiment. Solange es noch Leute gibt, die sie kaufen und verschicken und nicht nur bei foursquare einchecken.

Tja, und das Fernsehen im Mega-TV-Land? Meine Bekannten dort sind durch die Bank Nerds und Geeks, zugegeben. Sie alle sind übrigens begeisterte Leser und lesen dank ihren Readern und iPads mehr als jemals zuvor – auch physische Bücher! Und sie haben Fernseher. Aber Kabel-, Antennen- oder sonstigen TV-Anschluß? Fehlanzeige!

Vorgefertigte und mit Werbung durchsetzte Programme von Fernsehanstalten sind schlicht und ergreifend unerwünscht. Die Lösung: Das Internet. Über Streaming-Angebote wie www.netflix.com stehen so gut wie alle Filme und Serien für – im Verhältnis zu deutschen Angeboten – wenig Geld allzeit zum Anschauen bereit. Und wer keinen onlinefähigen Fernseher aber eine Spielkonsole hat, nutzt halt den entsprechenden Wii-, PS3- oder XBOX360-Kanal.

Und ganz ehrlich? derlektor hat auch schon bei Netflix seine Adresse hinterlassen, in der Hoffnung, dass dieser Dienst auch bald in Deutschland zur Verfügung steht. Und er hat per freiem Flughafen-WLAN in San Francisco für den Rückflug zwei eBooks auf seinen Kindle geladen. So war noch Platz für zwei Mitbringsel mehr aus dem Land der bisweilen doch so begrenzten Möglichkeiten.

E-Books per WordPress oder Joomla! und der Joomla!Day 2011

Wer Blogbeiträge oder andere Webtexte in das E-Book-Standardformat EPUB  überführen will, hat gute Karten – sofern er WordPress oder Joomla! einsetzt. Für beide Systeme gibts kostenlose Erweiterungen, die einen Export erlauben.

WordPress

Für WordPress gibt es gleich mehrere EPUB-Exporteure:

Die mit Abstand am meisten Downloads hat Anthologize, die Bewertungen im Plugin-Directory von WP sind meist gut, allerdings nicht sonderlich aussagekräftig, da es zu wenige sind.

Joomla!

Für das mächtige CMS Joomla! steht mit Jpub aktuell nur eine Extension zur Verfügung, siehe http://bit.ly/pvzAx8. Auch hier sind die Besprechungen erstklassig, aber nicht sehr zahlreich.

Joomla!Day 2011 in Hamburg

Ach ja, wer Lust hat a) Joomla! und b) denlektor live kennen zu lernen, der komme doch am 2. und 3. September nach Hamburg! Dort findet der Joomla!Day 2011 statt (http://www.joomladay.de/). Zwei Tage lang gibt es erstklassige Vorträge rund um Joomla!, dazu die Gelegenheit mit den wichtigsten Vertretern der deutschen Joomla!-Community direkt zu plaudern. Der Ticketshop ist noch bis zum 15.08.2011 geöffnet.

Tja, und derlektor ist am Stand des Franzis Verlags vertreten und steht Rede und Antwort zu den Büchern und Lernpaketen, für die er dort verantwortlich ist, wie z. B.:

Warum haben so viele Verlage Angst vor Social Media?

Eines ist klar: Auf diese Frage gibt es mehr als nur eine Antwort. Aber eine davon könnte sein, dass die Verlage Angst vor dem direkten Kontakt mit ihren Kunden haben. Weil sie es nicht gewohnt sind. Bequemerweise gibt es den Buchhandel, der sich mit den Kunden herumschlagen muss. Er kriegt die meiste Haue, wenn irgendetwas mit unseren Produkten nicht stimmt, nur selten findet ein besonders hartnäckiger Leser den direkten Weg zum Verlag.

Dieser Puffer ist in Zeiten von facebook und twitter nicht mehr vorhanden und davor haben viele Verleger und Marketingverantwortliche meiner Meinung nach noch Angst und die daraus resultieren Optionen noch nicht verstanden. In einer XING-Gruppe zum Thema digitales Publizieren habe ich heute folgenden Satz gelesen:

„Eines der großen Themen, die uns in den Verlagen ja umtreibt, ist die Frage, wie wir unsere Zielgruppen in den Sozialen Netzwerken erreichen – wohlgemerkt nicht um zu kommunizieren, sondern um Verlagsprodukte zu verkaufen.“

Aus meiner Sicht steckt hier ein entscheidender Denkfehler: Nur wer sich der Zielgruppe stellt und bereit ist, direkt mit ihr zu kommunizieren, kann in Zeiten von Social Media erfolgreich sein. Natürlich geht es hier nicht darum, was es in der Verlagskantine zum Mittagessen gab, sondern um die Kommunikation über die Produkte selbst.

Die Verlage müssen es als Chance begreifen, dass mit den sozialen Medien das erste Mal – jenseits von Lesungen – ein unmittelbarer Kontakt zum Kunden möglich ist. Hier können die Produktverantwortlichen lesen, was die Kunden über das Produkt denken, ob es ihnen gefällt, ob sie es furchtbar finden, ob Fehler gemacht wurden, ob die Werbekommunikation stimmt und dergleichen mehr. Teure Marktforschung ade, hier geht das ganze DIREKT und die Leser tun es FREIWILLIG!

Wenn es die Verlage dies nicht zu nutzen und zu steuern verstehen, dann werden es andere übernehmen. Zum Beispiel die Autoren. Siehe Musikindustrie. Metallica hat mehr als 16 Millionen facebook-Fans, Linkin Park, mehr als 26 Millionen. Nicht das Platten-Label dahinter, nein, die Band! Jede dort veröffentlichte Banalität hat mehr als 1.000 Kommentare. Die Umsätze hinter einer Meldung, dass irgendein neues Lied oder Album jetzt neu zu kaufen ist, kenne ich nicht, aber ich bin sicher, dass sie uns alle erblassen lassen. Und je größer der Online-Anteil dieses Geschäftes wird, desto weniger werden die Plattenlabels dahinter gebraucht. Und damit auch der Handel.

Und auch bei den Büchern geht es los. Paolo Coelho hat mehr als 5 Millionen facebook-Fans, ist da aber noch eher eine Ausnahmeerscheinung. Und genau hier ist die Chance für uns Verlage: Social Media-Marketing muss eines unserer Assets werden, etwas was wir gezielt nutzen, um unsere besten Titel, unsere besten Autoren zu pushen und dem Leservolk aufs Maul zu schauen und ihm zeigen, dass wir ihre Meinung ernst nehmen.

So werden wir als Verlagsleute zwar auf einmal greifbar, aber gleichzeitig auch glaubwürdig. Und Glaubwürdigkeit und das resultierende Vertrauen – davon bin ich fest überzeugt – sind in der heutigen Zeit absolute Erfolgs-Schlüsselfaktoren geworden. Outen wir uns also als die Menschen, die aus den Manuskripten der Autoren die geilen Bücher machen, die da draußen in den Läden stehen. Wir müssen uns nicht verstecken, ganz im Gegenteil! Und wenn wir diesen Schritt wagen, dann können wir damit auch Geld verdienen.

Fernsehen, Internet & Co: USA vs. Deutschland

Drei Wochen USA. In Motels, im Auto auf dem Highway, in einem Loft in San Francisco. Wie nutzen die Amerikaner ihre Medien, gibt es Unterschiede zu den Deutschen? Klare Antwort: Ja. Und das Internet ist klar auf dem Vormarsch.

Im Zentrum des Medienkonsums steht – wie bei uns – immer noch der Fernseher. Eine unüberblickbare Anzahl an Sendern mit – im Gegensatz zu uns – meist bescheidener Empfangsqualität. Im Vergleich zu USA-Besuchen vor einigen Jahren hat sich nicht viel geändert, lediglich die Anzahl der spanisch- und chinesisch-sprachigen Kanäle in Motels/Hotels hat sich merklich erhöht. Die Anzahl der erstklassigen Spielfilme ist selbst an einem normalen Wochentag größer als bei uns an Ostern und Weihnachten zusammen (siehe http://www.schmid-meil.de/fernsehen/2009/der-oster-fernseh-blues/). Und die viele Werbung nervt schlimmer als in Deutschland. Die Blöcke sind zwar deutlich kürzer, aber dafür viel zahlreicher. Und: moderne TV-Geräte sind teurer als hierzulande. Deutlich teurer.

Wer im Auto unterwegs ist, hört Radio. Hier ist man mit den gleichen Problemen konfrontiert wie beim Fernsehen: Jede Menge Sender und mieser Empfang sobald man eine Stadt verlässt. Dazu reichlich Werbung. Auffällig sind die vielen christlichen Programme, die aber nicht nur irgendwelche Predigten und Gottesdienste übertragen, sondern ihre Botschaft mit knackigem Rock oder – in Kalifornien – Country zu verbreiten suchen.

Das letzte Mal war derlektor 2002 in den Staaten. Und er hat seine Motel-Auswahl nicht zuletzt nach dem Schild HBO available getroffen, das ein vernünftiges Fernsehprogramm versprach. Und heute? Free Internet war das Zauberwort und es war fast bei jeder Absteige zu lesen. Das Internet ist jenseits des großen Teichs noch stärker auf dem Vormarsch als hierzulande. In den Städten ist es vor allem in mobiler Form vertreten, die Dichte von iPhones und Blackberrys ist extrem hoch und die beiden Marken dominieren den Handymarkt deutlich. Mobiles Internet ist weitgehend flächendeckend vorhanden. Selbst mitten in der Mojavewüste war es möglich,  Twittereinträge zu schreiben, siehe http://twitter.com/derlektor.

Und das Kino? Zwei Filme haben wir uns angesehen, Monster vs. Aliens und X-Men Origins – Wolverine. Ersterer lief schon ein paar Wochen, in dem IMAX-Theater in Palm Springs saßen in der Abendvorstellung insgesamt vielleicht 10 Leute – höchstens. Allerdings ist ein Kinderfilm in einer Rentnerstadt vielleicht auch ein wenig schwierig zu vermitteln. Wolverine war gerade angelaufen, dennoch war der Kinosaal in der Geekstadt San Francisco lediglich zu vielleicht 80% belegt. Das Kino scheint selbst im Lande Hollywoods seine Probleme zu haben.

Fehlt noch was? Ach ja, die Zeitung. Selbst in der New Yorker U-Bahn war kaum jemand mit einer aufgeschlagenen Gazette zu sehen. Und amazon hat währenddessen seinen Zeitungs-Kindle vorgestellt, siehe http://www.golem.de/0905/66936.html.

Bücher hingegen haben weiter ihren Platz. Die Buchhandlungen waren üppig sortiert und zumindest nicht schlecht besucht. Im Nahverkehr und im Flugzeug ist das Buch neben dem MP3-Player das Medium Nummer 1.

Das Fazit ist somit nicht überraschend: Die traditionellen Medien verlieren gegenüber dem Internet, hier ist die Entwicklung in den USA weiter als in Deutschland. Das Handy wird intensiver genutzt als hier, zum Telefonieren und für Online-Dienste aller Art. Zeitungen und Zeitschriften verschwinden allmählich aus dem Tagesbild, mögen sie in Frieden ruhen.