Medien-Stimmungsbild USA: Lesen ja – Bücher nein

Endlich mal wieder Urlaub – der leider gerade eben vorbei ist. Das Ziel war mal wieder die USA. Eine Woche mit lauter amerikanischen und kanadischen Touristen auf einer Kreuzfahrt nach Mexiko und eine Woche privat untergebracht in San Francisco.

Es heißt, die USA sind uns in Punkto Mediennutzung etwa zwei Jahre voraus. Tja, wenn das stimmt, dann werden sich Wälder freuen, denn papierbasierte Medien sind dort bereits schwer auf dem Rückzug. Und auch das Fernsehen darf sich warm anziehen, zumindest einige Zielgruppen haben es bereits komplett durch das Internet ersetzt.

Auf dem schicken Kreuzfahrtschiff konnte man ganz hervorragend beobachten, ob und wie die Menschen zu reinen Unterhaltungszwecken lesen. Und gelesen wurde viel! Allerdings in erster Linie per Reader und iPad. Ich wage zu behaupten, dass auf diesem 3000 Gäste fassenden Schiff mehr eBooks über den Pazifik geschippert sind als physische Bücher. Ach, das glauben Sie nicht? Sehen Sie selbst, hier ein typischer Schnappschuss:

lauter Reader, keine Bücher

Lauter Reader, keine Bücher

Im Übrigen alles ältere Herrschaften, keine Techies. Letztere waren allerdings auch an Bord, aber meistens im Schatten – deren iPads vertragen so wenig Sonne wie ihre Haut:

Juhu, ein Buch!

Juhu, ein Buch!

Der eBook-Nachschub war übrigens an Bord kein Problem, das Offshore-WLAN war zwar nicht besonders schnell und nicht ganz billig, aber für ein oder zwei eBook-Downloads ideal.

Passend dazu war die Buchladenlandschaft in San Francisco. Die großen Buchhandlungen, in denen ich mich noch vor zwei Jahren rumgetrieben habe waren allesamt nicht mehr da. Es gibt noch Buchläden, oja, aber ausschließlich kleine, wunderschöne und meist spezialisierte Geschäfte, dort wird das Gefühl, die Emotion Buch noch gepflegt und gelebt. Auch als Kunst-Installation lebt das Buch! Die Bücher fliegen über der Straße…

Fliegende, aber leere Bücher

Fliegende, aber leere Bücher

…die Worte sind allerdings auf die Straße gefallen:

Ansonsten sind Bücher in allen möglichen Läden vorhanden, so ungefähr mit dem gleichen Stellenwert wie Postkarten. Die hat man halt im Sortiment. Solange es noch Leute gibt, die sie kaufen und verschicken und nicht nur bei foursquare einchecken.

Tja, und das Fernsehen im Mega-TV-Land? Meine Bekannten dort sind durch die Bank Nerds und Geeks, zugegeben. Sie alle sind übrigens begeisterte Leser und lesen dank ihren Readern und iPads mehr als jemals zuvor – auch physische Bücher! Und sie haben Fernseher. Aber Kabel-, Antennen- oder sonstigen TV-Anschluß? Fehlanzeige!

Vorgefertigte und mit Werbung durchsetzte Programme von Fernsehanstalten sind schlicht und ergreifend unerwünscht. Die Lösung: Das Internet. Über Streaming-Angebote wie www.netflix.com stehen so gut wie alle Filme und Serien für – im Verhältnis zu deutschen Angeboten – wenig Geld allzeit zum Anschauen bereit. Und wer keinen onlinefähigen Fernseher aber eine Spielkonsole hat, nutzt halt den entsprechenden Wii-, PS3- oder XBOX360-Kanal.

Und ganz ehrlich? derlektor hat auch schon bei Netflix seine Adresse hinterlassen, in der Hoffnung, dass dieser Dienst auch bald in Deutschland zur Verfügung steht. Und er hat per freiem Flughafen-WLAN in San Francisco für den Rückflug zwei eBooks auf seinen Kindle geladen. So war noch Platz für zwei Mitbringsel mehr aus dem Land der bisweilen doch so begrenzten Möglichkeiten.

E-Books per WordPress oder Joomla! und der Joomla!Day 2011

Wer Blogbeiträge oder andere Webtexte in das E-Book-Standardformat EPUB  überführen will, hat gute Karten – sofern er WordPress oder Joomla! einsetzt. Für beide Systeme gibts kostenlose Erweiterungen, die einen Export erlauben.

WordPress

Für WordPress gibt es gleich mehrere EPUB-Exporteure:

Die mit Abstand am meisten Downloads hat Anthologize, die Bewertungen im Plugin-Directory von WP sind meist gut, allerdings nicht sonderlich aussagekräftig, da es zu wenige sind.

Joomla!

Für das mächtige CMS Joomla! steht mit Jpub aktuell nur eine Extension zur Verfügung, siehe http://bit.ly/pvzAx8. Auch hier sind die Besprechungen erstklassig, aber nicht sehr zahlreich.

Joomla!Day 2011 in Hamburg

Ach ja, wer Lust hat a) Joomla! und b) denlektor live kennen zu lernen, der komme doch am 2. und 3. September nach Hamburg! Dort findet der Joomla!Day 2011 statt (http://www.joomladay.de/). Zwei Tage lang gibt es erstklassige Vorträge rund um Joomla!, dazu die Gelegenheit mit den wichtigsten Vertretern der deutschen Joomla!-Community direkt zu plaudern. Der Ticketshop ist noch bis zum 15.08.2011 geöffnet.

Tja, und derlektor ist am Stand des Franzis Verlags vertreten und steht Rede und Antwort zu den Büchern und Lernpaketen, für die er dort verantwortlich ist, wie z. B.:

Warum haben so viele Verlage Angst vor Social Media?

Eines ist klar: Auf diese Frage gibt es mehr als nur eine Antwort. Aber eine davon könnte sein, dass die Verlage Angst vor dem direkten Kontakt mit ihren Kunden haben. Weil sie es nicht gewohnt sind. Bequemerweise gibt es den Buchhandel, der sich mit den Kunden herumschlagen muss. Er kriegt die meiste Haue, wenn irgendetwas mit unseren Produkten nicht stimmt, nur selten findet ein besonders hartnäckiger Leser den direkten Weg zum Verlag.

Dieser Puffer ist in Zeiten von facebook und twitter nicht mehr vorhanden und davor haben viele Verleger und Marketingverantwortliche meiner Meinung nach noch Angst und die daraus resultieren Optionen noch nicht verstanden. In einer XING-Gruppe zum Thema digitales Publizieren habe ich heute folgenden Satz gelesen:

“Eines der großen Themen, die uns in den Verlagen ja umtreibt, ist die Frage, wie wir unsere Zielgruppen in den Sozialen Netzwerken erreichen – wohlgemerkt nicht um zu kommunizieren, sondern um Verlagsprodukte zu verkaufen.”

Aus meiner Sicht steckt hier ein entscheidender Denkfehler: Nur wer sich der Zielgruppe stellt und bereit ist, direkt mit ihr zu kommunizieren, kann in Zeiten von Social Media erfolgreich sein. Natürlich geht es hier nicht darum, was es in der Verlagskantine zum Mittagessen gab, sondern um die Kommunikation über die Produkte selbst.

Die Verlage müssen es als Chance begreifen, dass mit den sozialen Medien das erste Mal – jenseits von Lesungen – ein unmittelbarer Kontakt zum Kunden möglich ist. Hier können die Produktverantwortlichen lesen, was die Kunden über das Produkt denken, ob es ihnen gefällt, ob sie es furchtbar finden, ob Fehler gemacht wurden, ob die Werbekommunikation stimmt und dergleichen mehr. Teure Marktforschung ade, hier geht das ganze DIREKT und die Leser tun es FREIWILLIG!

Wenn es die Verlage dies nicht zu nutzen und zu steuern verstehen, dann werden es andere übernehmen. Zum Beispiel die Autoren. Siehe Musikindustrie. Metallica hat mehr als 16 Millionen facebook-Fans, Linkin Park, mehr als 26 Millionen. Nicht das Platten-Label dahinter, nein, die Band! Jede dort veröffentlichte Banalität hat mehr als 1.000 Kommentare. Die Umsätze hinter einer Meldung, dass irgendein neues Lied oder Album jetzt neu zu kaufen ist, kenne ich nicht, aber ich bin sicher, dass sie uns alle erblassen lassen. Und je größer der Online-Anteil dieses Geschäftes wird, desto weniger werden die Plattenlabels dahinter gebraucht. Und damit auch der Handel.

Und auch bei den Büchern geht es los. Paolo Coelho hat mehr als 5 Millionen facebook-Fans, ist da aber noch eher eine Ausnahmeerscheinung. Und genau hier ist die Chance für uns Verlage: Social Media-Marketing muss eines unserer Assets werden, etwas was wir gezielt nutzen, um unsere besten Titel, unsere besten Autoren zu pushen und dem Leservolk aufs Maul zu schauen und ihm zeigen, dass wir ihre Meinung ernst nehmen.

So werden wir als Verlagsleute zwar auf einmal greifbar, aber gleichzeitig auch glaubwürdig. Und Glaubwürdigkeit und das resultierende Vertrauen – davon bin ich fest überzeugt – sind in der heutigen Zeit absolute Erfolgs-Schlüsselfaktoren geworden. Outen wir uns also als die Menschen, die aus den Manuskripten der Autoren die geilen Bücher machen, die da draußen in den Läden stehen. Wir müssen uns nicht verstecken, ganz im Gegenteil! Und wenn wir diesen Schritt wagen, dann können wir damit auch Geld verdienen.

Fernsehen, Internet & Co: USA vs. Deutschland

Drei Wochen USA. In Motels, im Auto auf dem Highway, in einem Loft in San Francisco. Wie nutzen die Amerikaner ihre Medien, gibt es Unterschiede zu den Deutschen? Klare Antwort: Ja. Und das Internet ist klar auf dem Vormarsch.

Im Zentrum des Medienkonsums steht – wie bei uns – immer noch der Fernseher. Eine unüberblickbare Anzahl an Sendern mit – im Gegensatz zu uns – meist bescheidener Empfangsqualität. Im Vergleich zu USA-Besuchen vor einigen Jahren hat sich nicht viel geändert, lediglich die Anzahl der spanisch- und chinesisch-sprachigen Kanäle in Motels/Hotels hat sich merklich erhöht. Die Anzahl der erstklassigen Spielfilme ist selbst an einem normalen Wochentag größer als bei uns an Ostern und Weihnachten zusammen (siehe http://www.schmid-meil.de/fernsehen/2009/der-oster-fernseh-blues/). Und die viele Werbung nervt schlimmer als in Deutschland. Die Blöcke sind zwar deutlich kürzer, aber dafür viel zahlreicher. Und: moderne TV-Geräte sind teurer als hierzulande. Deutlich teurer.

Wer im Auto unterwegs ist, hört Radio. Hier ist man mit den gleichen Problemen konfrontiert wie beim Fernsehen: Jede Menge Sender und mieser Empfang sobald man eine Stadt verlässt. Dazu reichlich Werbung. Auffällig sind die vielen christlichen Programme, die aber nicht nur irgendwelche Predigten und Gottesdienste übertragen, sondern ihre Botschaft mit knackigem Rock oder – in Kalifornien – Country zu verbreiten suchen.

Das letzte Mal war derlektor 2002 in den Staaten. Und er hat seine Motel-Auswahl nicht zuletzt nach dem Schild HBO available getroffen, das ein vernünftiges Fernsehprogramm versprach. Und heute? Free Internet war das Zauberwort und es war fast bei jeder Absteige zu lesen. Das Internet ist jenseits des großen Teichs noch stärker auf dem Vormarsch als hierzulande. In den Städten ist es vor allem in mobiler Form vertreten, die Dichte von iPhones und Blackberrys ist extrem hoch und die beiden Marken dominieren den Handymarkt deutlich. Mobiles Internet ist weitgehend flächendeckend vorhanden. Selbst mitten in der Mojavewüste war es möglich,  Twittereinträge zu schreiben, siehe http://twitter.com/derlektor.

Und das Kino? Zwei Filme haben wir uns angesehen, Monster vs. Aliens und X-Men Origins – Wolverine. Ersterer lief schon ein paar Wochen, in dem IMAX-Theater in Palm Springs saßen in der Abendvorstellung insgesamt vielleicht 10 Leute – höchstens. Allerdings ist ein Kinderfilm in einer Rentnerstadt vielleicht auch ein wenig schwierig zu vermitteln. Wolverine war gerade angelaufen, dennoch war der Kinosaal in der Geekstadt San Francisco lediglich zu vielleicht 80% belegt. Das Kino scheint selbst im Lande Hollywoods seine Probleme zu haben.

Fehlt noch was? Ach ja, die Zeitung. Selbst in der New Yorker U-Bahn war kaum jemand mit einer aufgeschlagenen Gazette zu sehen. Und amazon hat währenddessen seinen Zeitungs-Kindle vorgestellt, siehe http://www.golem.de/0905/66936.html.

Bücher hingegen haben weiter ihren Platz. Die Buchhandlungen waren üppig sortiert und zumindest nicht schlecht besucht. Im Nahverkehr und im Flugzeug ist das Buch neben dem MP3-Player das Medium Nummer 1.

Das Fazit ist somit nicht überraschend: Die traditionellen Medien verlieren gegenüber dem Internet, hier ist die Entwicklung in den USA weiter als in Deutschland. Das Handy wird intensiver genutzt als hier, zum Telefonieren und für Online-Dienste aller Art. Zeitungen und Zeitschriften verschwinden allmählich aus dem Tagesbild, mögen sie in Frieden ruhen.

Ahnungslos im Internet

Im Internet steht angeblich alles und das auch noch kostenlos. Das ich nicht lache. Angeblich gibt es mittlerweile sogar Professoren, die ihren Studenten empfehlen, bei Wikipedia nachzuschauen, anstatt sich stundenlang durch Zeitschriftenjahrgänge in der Bibliothek zu wühlen.

Zugegeben, das klingt ja durchaus verlockend. Und für grundlegende Infos reicht Wikipedia auch völlig aus, aber die Seite leidet an der gleichen Krankheit wie alle Seiten im Netz: Die Inhalte sind nur so gut wie die Verfasser. Und nur so lange aktuell, wie sich jemand dafür interessiert und um die Einträge kümmert. Für jemanden, der ernsthaft wissenschaftlich arbeitet, also definitiv nicht ausreichend – das kann peinlich in der Prüfung werden.

Mit Webseiten ist es wie mit dem Weltraum-Müll: Da oben treiben jede Menge Trümmer von alten und kaputten Satelliten herum und gefährden die im Vergleich wenigen funktionierenden Geräte. Im Netz gibt es mittlerweile so viel Infomüll in Form ungepflegter Seiten und – noch gefährlicher – ungepflegter Einträge in ansonsten aktuellen Seiten, dass niemand mehr den Überblick behalten kann. Daraus folgt: Wirklich vertrauenswürdige Seiten sind selten und häufig nicht von Dauer.

Wie geht es Ihnen mit Bookmarks? Früher hat man noch mit dicken Bookmark-Ordnern geprahlt und damit gezeigt, dass man der Informationsflut Herr geworden und jede Info nur einen Mausklick entfernt ist. Bis es irgendwann so viele waren, dass man sich in den Tiefen der eigenen Lesezeichen-Struktur verlor und die Hälfte der Seiten ohnehin nicht mehr aktuell war.

Der Lektor hat heute im Schnitt 2-3 Browser auf jedem Rechner und je nach Einsatzzweck von Firefox, Safari und Opera überall ein paar Lesezeichen. Er nutzt das Internet jeden Tag im Schnitt 10 Stunden und auf wie vielen Seiten surft er durch die Gegend? Etwa 20 bis 30 pro Tag. Und auf wie vielen verweilt er länger als 10 Sekunden? Vielleicht 5. Also etwa genauso vielen, wie er früher Zeitschriftenabos hatte. Und die paar kann er sich merken.

A propos Perlen im Infomüll: Habe ich schon von unserem tollen World of Warcraft-Buch erzählt? Heute erhielt der Lektor von einem engagierten Spieler ein Exposé für ein WoW-Wörterbuch, das den MMORPG-Slang und die WoW-typischen Begriffe für Einsteiger verständlich machen wollte. Nette Idee, der Autor in Spe hatte sich viele Gedanken gemacht, aber anscheinend kannte er die Blizzard-eigenen Webseiten und Foren nicht. Unter http://forums.wow-europe.com/thread.html?topicId=16042168&sid=3 findet man 14 Seiten ausführliches Lexikon, vom Hersteller selbst betrieben und stets aktualisiert. Manchmal ist das Internet dann doch die vertrauenswürdigste Informationsquelle. Zumindest solange der Hersteller sein Produkt unterstützt.

Sie suchen nach einem Fazit? Das kann Der Lektor hier nicht liefern. Stattdessen vielleicht einen Rat: Glauben Sie nicht alles, was Sie im lesen – vor allem nicht im Internet. Schalten Sie Ihren gesunden Menschenverstand ein, prüfen Sie das Datum der Information bzw. der letzten Aktualisierung und googeln Sie manchmal nach markanten Textabschnitten. Sie werden staunen, wie oft Sie die Texte mehrfach finden. Manchmal ist dann auch die Originalquelle dabei. Und die ist – zumindest häufig – auch aktuell.

Der CeBIT-Fluch

Seit geraumer Zeit ist es jedes Jahr das gleiche Spiel: Man fährt nach Hannover auf die CeBIT, schaut sich um, ist enttäuscht, denkt an vermeintlich glorreiche und längst vergangene Zeiten und fragt sich, wie lange es die Messe noch gibt. Dann fährt wieder nach Hause und denkt darüber nach, ob man sich das Ganze  nächstes Jahr wieder antun sollte oder nicht. Um dann doch wieder hinzugondeln. Aber erstmal die finale Pressemitteilung abwarten, die Systems hat sich ja auch schon erledigt.

Was war dieses Jahr besonders frustrierend? Der Lektor hat die Consumerbrille aufgesetzt und sich auf die Jagd auf – nein, die Fahndung nach interessanten Technologien für den Normalo-Tekkie begeben. Die ersten Hallen strotzten vor dreibuchstabigen Abkürzungen: ERP, CRM, CMS, ECM. Alles Business-Kram. Eine Beobachtung am Rande: vieles wurde auf 24′-iMacs präsentiert und auf den meisten lief Windows Vista.

Danach kamen die ehemals heiligen Hardware-Hallen. Früher herrschte hier eine Stimmung wie auf der Games Convention (die es ja nicht mehr gibt): Hunderte drängten sich um die Stände der renommierten Hersteller, um einen Blick auf die neueste Grafikkarte, den neuesten Prozessor oder das neueste Mainboard zu werfen. Und heute? Der Lektor war zwei Hallen lang der einzige Europäer in Sichtweite und hatte das Gefühl, auf einer Messe in Shanghai oder sonstwo in Fernost zu sein. Es herrschten zwei Dinge vor: gebrochenes Englisch und gähnende Leere.

Gut, es war ein Mittwochnachmittag, aber trotzdem: vor wenigen Jahren hätte man sich durch Reihen von schwitzenden Jugendlichen drängen müssen und dabei den Anzug verknautscht, das Problem gab es diesmal nicht. Selbst in der intelgesponsorten Games-Halle, in der blass- und pickelgesichtige Schattenwesen die Continental Finals Europe von Counter-Strike und World of Warcraft spielten, war nicht viel los. Und das um 15:00!

Mein persönlicher Gradmesser für den Zustand einer Messe sind die Giveaways. Ich habe sage und schreibe 15 (!!!) Minuten gebraucht, bis ich einen Kugelschreiber erbeuten konnte. Hallo? Früher hatte man nach drei Minuten mindestens fünf Kugelschreiber in jeder Körperöffnung stecken, ob man wollte oder nicht. Immerhin, die Giveaway-Flaute hat dazu geführt, dass unser Kundenpräsent  - die halbe Auflage eines kleinen Buches zu einem RAW-Converter von uns samt Testversion – restlos unter die Leute kam. Man höre und staune: Ein Buch!

Ohne HTML geht es doch nicht! Und warum das ganz gut so ist.

Meine letzte Website hatte ich vor gefühlten 723 Jahren noch per Texteditor mit HTML gebaut und mich dabei stundenlang mit Tabellen herumgeschlagen. Anders konnte man Inhalte ja nicht vernünftig positionieren! CSS war da schon ein Revolution: eine Datei geändert und schon die Optik der ganzen Website geändert. Klasse!

Jetzt, Jahre später, spiele ich ein bisschen mit WordPress rum und habe nach vier Stunden Gefrickel und zweieinhalb Bier eine dermaßen saubere Seite stehen, dass ich damit vor 10 Jahren vermutlich eine Aktiengesellschaft hätte gründen und teuer an irgendeinen irren Geldgeber verkaufen können.

Das ist effizient und praktisch, aber jetzt mal ganz ehrlich: Wo bleibt denn da der Sport? Früher warst du ein cooler Hecht, wenn du mit SelfHTML und dem passenden Buch von Franzis HTML sprechen gelernt und eine Website mit drei Frames hingestellt hast. Dann per Photoshop ein paar mehr oder weniger ansehnliche Buttons samt MouseOvers dazu gebaut und schon rollte der Rubel.

Und heute? Vermag da wirklich jeder Depp, der einen FTP-Client bedienen und bis drei zählen kann, eine tolle Website bauen? Hinstellen kann er sie schon, ja. Aber sobald er ein wenig vom vorgegebenen Standard abweicht, ist er ohne HTML & Co schnell am Ende.

Konkretes Beispiel: Gestern habe ich ein englisches WordPress-Theme installiert. Schaut super aus (finde ich), aber alle automatisch erzeugten Überschriften und Texte sind Englisch. Also ist Lokalisieren angesagt. So gilt es erst einmal herauszufinden, mit welchen PHP-Skripten welche Seitenbausteine erzeugt werden. Das gelingt ganz gut, wenn man sich den Quelltext der Seite anschaut und mit den im Darstellungseditor von WP aufgelisteten Skripten vergleicht.

Voraussetzung: Man versteht den Quelltext und kann die gesuchten Textstellen in den PHP-Skripten a) finden und b) umbauen, ohne die Seite zu zerschießen. Also: Ohne HTML-, CSS- und Skript-Know-how geht halt doch nicht wirklich viel. Gut so, so wird der Hecht von damals doch nicht zum altersgreisen Karpfen – auch wenn in dem Teich mehr los ist als früher.

Und wenn man grad am coden ist, sind Bücher immer noch die schnellsten Referenzen. Und das sind die beiden wichtigsten:

  1. Das HTML Handbuch von Stefan Münz
  2. PHP 5/MySQL 5 von Matthias und Caroline Kannengiesser
Das HTML-Handbuch

Das HTML-Handbuch

 

PHP 5 / MySQL 5

PHP 5 / MySQL 5